Geld Mindset – meine größte Hürde

Ich bin seit jeher mit der Kohle auf Kriegsfuß. Meine Eltern sind recht gut betucht. Sie lieben den Satz: “Ist ja nur Geld”.

Meine Beziehung zu Geld – die Wurzeln

Für mich war Geld immer ein rotes Tuch. Kapitalismus… Ein Dorn im meinem Auge. Mein verstorbener Bruder, meine erste große Liebe und ich waren als Jugendliche Punks. Antifa, Autonomie, Kampf dem Kapitalismus und so.

Bis heute bin ich dieser Lebenseinstellung treu. Auch wenn ich etwas ruhiger geworden bin als früher 🙂

Wer braucht schon viel Geld? Geld macht nicht glücklich! Viele Menschen sind arm… Sie haben nichts, außer Geld. Nicht Geld macht glücklich, sondern die schönen Momente des Lebens!

Das waren immer meine Leitsätze. Ich hasse die “Spießer Mentalität” meiner Eltern und der Spruch “ist ja nur Geld” ist mein persönliches rotes Tuch (ich bin auch noch Stier 🙂). Es ist sehr leicht, “ist ja nur Geld” zu sagen…wenn man es hat.

Nur ändert sich viel, wenn man Mutter wird. Und dann noch alleinerziehend, ohne Unterhalt und völlig auf sich gestellt. Ich habe begonnen, mein Mindset zum Thema Geld stark zu hinterfragen. Dabei hat mir vor allem der Podcast von Laura Malina Seiler sehr geholfen!

Ich bin Pflegefachkraft. Ist natürlich nicht der ideale Job als alleinerziehende Mutter. Die Frühschicht? Welcher Kindergarten öffnet bitte um 6? Die Spätschicht? Wohin mit meiner Tochter bis 22 Uhr? Nachtschicht? Das würde ein teurer Babysitter Spaß werden. Der Vater? Keine Einsicht, nix zu erwarten, keine Verantwortung, keinerlei finanzielle Unterstützung.

Ich versuchte es trotzdem lange mit der Pflege. In allen möglichen Varianten. Tagsüber als schlecht bezahlte Integrationshilfe an einer Grundschule, nachts, Vollzeit in einem Behindertenwohnheim, 7 Nächte durch, dann 7 frei. Meine Tochter und ich litten Höllenqualen wegen der ständigen nächtlichen Trennung (sie ist 4).

Das Geld passte – das Glück nicht!

In der freien Woche sagten alle: “Wow, du bist echt zu beneiden, was für ein Luxus, jede zweite Woche frei zu haben!”🤔

Dass ich erstmal 4 Tage brauchte, bis ich voll erholt war nach 80 Stunden durcharbeiten? Dass ich ja nicht wirklich “frei” hatte, so als alleinerziehende Mutter? Dass ich wenigstens meine Tochter in den Kindergarten bringen wollte, um sie kurz am Morgen zu sehen und so nur höchstens 6 Stunden schlafen konnte, bis ich sie weiter abholen ging (und dann durchweg beschäftigt war, bis der Nachtdienst wieder startete)?

Das war nicht der Rede wert.

Ich war am Arsch. Es war tierisch anstrengend. Ich fühlte mich ständig an der äußersten Grenze des Machbaren. Ich erzählte jedem, der es hören (oder oft auch nicht hören) wollte, dass ich nicht mehr konnte. Dass es zu viel war.

Hören wollte das eigentlich nämlich keiner so wirklich. Ich bin eine stark wirkende Person und genau so war auch die durchgängige Reaktion: “Du bist doch so stark. Das schaffst du schon!”

Der Moment, der alles veränderte

Es kam, wie es kommen musste. Ich wurde richtig krank. Diagnose Burnout. Inklusive Klinikaufenthalt. Meine Tochter musste in der Zeit bei meinen Eltern leben.

Danach…glaubt es oder nicht…versuchte ich tatsächlich, meinen alten Job wieder aufzunehmen. Das Amt? Für mich keine Option. Ich hatte sehr schlechte Erfahrungen mit denen gemacht. Und ohne Amt blieb einfach nur der Nachtwachenjob. 1800 netto für Vollzeit nachts ackern.

Davon waren weit mehr als die Hälfte weg.. denn natürlich wurde ich mit diesem Verdienst zu einem sehr hohen Kindergartenbeitrag herangezogen.

Dass ich den alleine trug, wo andere ihn sich zu zweit teilen konnten? Ebenso wie die Miete, den Strom, unser Essen und alle laufenden Kosten? Das war ja egal.

Was sollte ich also machen, außer wieder in diesen Job zurück zu kehren? Woanders in der Pflege ist der Verdienst noch sehr viel schlechter. Und etwas “mütterfreundliches” in der Pflege? Mangelerscheinung. Ein einziges Hamsterrad. Würde ich meinem früheren Ich einen einzigen Rat geben können, wäre es dieser:

“Augen auf bei der Berufswahl.”

Pflege…es könnte so ein sinnvoller, wunderbarer Beruf sein. Doch so, wie es läuft (jeder weiß ja davon)… Ist es, gerade für Mütter mit kleinen Kindern, womöglich ebenso wie ich alleinerziehend, keine Option. Es macht einen kaputt.

Doch es war eben die einzige Lösung, die in Sicht war.

Nach etwa 4 Monaten merkte ich innerlich: “Es geht nicht mehr!!!” Ich war fix und fertig, jedes Bauchgefühl in mir schrie: “Hör auf, um Gottes Willen! Du machst dich kaputt, du wirst wieder krank!”

Der alles entscheidende Schritt

Ich begann, das Schreiben und die Selbständigkeit als ernstzunehmende Option zu sehen. Meine Vision war es ja schon immer gewesen. Ich studierte da schon seit knapp 2 Jahren… Schreiben für Sach-und Fachmedien (hier mein Erfahrungsbericht)…, um mich irgendwann damit selbständig zu machen. Neben dem ganzen Alltagschaos zog ich das Studium knallhart durch. Seit ein paar Monaten nahm ich schon gelegentlich Texteraufträge an…und es lief sehr gut.

So kam es dann zum entscheidenden Tag. Ich hatte wieder eine Woche durchgearbeitet. Da wusste ich plötzlich innerlich: “Es geht nicht mehr, es geht keinen Tag länger! Gesundheit ist einfach wichtiger! Hör sofort auf!”

Ich schrieb meinem Freund: “Ich kann da nicht mehr hin!” Er war die ganze Zeit gegen diese Arbeit gewesen und sagte sofort: “Dann hör auf!”

Ich sagte: “Ich kann da JETZT SOFORT nie wieder hin!” Er antwortete nur: “Ja, das habe ich verstanden!”

Raus aus dem Hamsterrad!

Da schrieb ich die sofortige Kündigung und ging zum Arzt, um mich bis zum Ablauf der Kündigungsfrist krank schreiben zu lassen.

Mein Kleinunternehmen hatte ich schon etwas länger angemeldet. Zwar hatte ich geplant, mit dem Schreiben eine Selbständigkeit zu starten… Aber nicht so…und nicht sofort.

Egal. Ich fing einfach an. Und es läuft seit 6 Monaten ganz gut…bis auf diesen Monat. Es ist der erste Monat, in dem ich nicht genug verdient habe. Andere Texter, mit denen ich in Kontakt bin, sagen, es ist die Winterflaute.

Doch es hängt auch stark mit meiner Beziehung zum Geld zusammen. Jedesmal, wenn ein Projekt gut läuft, beende ich es, anstatt es durchzuziehen. Denn “Geld macht nicht glücklich”.

Aber Geld macht satt und gibt einem Sicherheit. Mir und meiner Tochter. Ich habe ein Projekt gestartet, Contentkauf, es ist sehr gut angelaufen. Doch anstatt es zu entwickeln und durchzuziehen…was mache ich? Lasse es schleifen. Könnte ja zu erfolgreich werden und Geld einbringen 🙂.

Ich hatte andere Projekte… Da war es ähnlich. Ich lasse einfach alles liegen, bevor es erfolgreich werden könnte… Und lebe mit dem nötigsten und billigen Texteraufträgen, obwohl ich genau weiß, dass mehr drin wäre. Bloß kein reicher Spießer werden.

Die Einstellung zu Geld ändern – geht das?

Im Grunde ist Geld nur ein Gegenstand und wird erst durch die Person, die es besitzt, etwas Gutes oder etwas Schlechtes.

Seit ich Mutter bin und gleichzeitig der Familienversorger, sehe ich das Geldthema etwas anders. Geld alleine macht nicht glücklich, klar, aber satt und sorgenfrei. Es ist ein ständiger Kampf für mich zwischen meinem Freiheitsbedürfnis und meinem Sicherheitswunsch… hauptsächlich natürlich Sicherheit für meine Tochter.

Es ist mir ein echtes Rätsel, wie es eigentlich sein kann, dass ich einen sehr sinnvollen, wichtigen Job habe und trotzdem keine reele Chance sehe, mich und meine Tochter von meiner Arbeit in der Pflege ohne gesundheitliche Schäden und übernatürlichen Arbeitswillen zu ernähren. Aber es ist eine Tatsache.

Es ist die einzige Chance gewesen, mich in meiner Situation selbständig zu machen und ich bereue es keine Sekunde. Es war richtig und ich bin sehr sehr glücklich mit meinem neuen Lebensstil – und meine Kleine wahrscheinlich noch mehr.

Doch meine Beziehung zum Geld… Die muss ich glaube ich noch mehr verändern, um erfolgreich zu werden.🙂🍀

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