Was sich verändert hat, seit ich Mutter bin

Ich bin seit ziemlich genau vier Jahren Mutter. Das waren die intensivsten und schönsten Jahre meines Lebens. Gleichzeitig aber auch die härtesten. Die ganzen Erfahrungen, Lernprozesse und natürlich meine eigene Weiterentwicklung waren unendlich viel wert.

Es hat sich einfach alles verändert. Ein neuer Mensch bin ich nicht, ich bin immer noch ganz die Alte, die Chaotin, die, die immer irgendwelche Ideen und Projekte im Kopf hat. Die dickköpfige, sture, loyale, fröhliche Musik- und Menschenliebhaberin. Die soziale Gewaltgegnerin. Die Optimistin. Die, die immer ein Buch liest.

Das alles hat sich nicht geändert, im Gegenteil, ich bin noch kreativer geworden und habe es sogar geschafft, (gezwungenermaßen) mehr Ordnung und Struktur zu schaffen 🙂

Nein, ich habe mich nicht groß verändert. Aber meine Gefühle. Zu meiner Tochter, zu mir selbst, zu anderen Menschen.

Sie hat mir etwas unglaublich Bedeutsames gegeben, das ich immer gesucht habe, nämlich Wurzeln. Ein Zuhause. Ein Ankommen. Das folgende Zitat war also in unserem Falle beidseitig:

Zwei Dinge sollten Kindern von ihren Eltern bekommen. Wurzeln und Flügel. Johann Wolfgang von Goethe Klick um zu Tweeten

Ich bin nicht länger auf der Suche. Ich habe mich gefunden. Das hat vor allem meine wunderbare Räuberprinzessin bewirkt. Ich hatte ein paar harte Zeiten in meinem Leben und lange Zeit war ich sicher, dass ich nicht mehr fähig bin, intensiv zu fühlen, weder für mich noch für andere Menschen.

Ich war in manchen Phasen meines Lebens innerlich abgestumpft. Manchmal war sogar alles rabenschwarz. Ich konnte zeitweise selbst meiner ersten großen Liebe, der Musik, keinen Platz mehr geben. Ich konnte sie einfach nicht ertragen. Ich dachte sogar manchmal, ich werde nie wieder glücklich. Obwohl ich ein sehr fröhlicher Mensch bin.

Ich habe mich zwar da raus gekämpft, aber es fehlte immer dieses Gefühl des “zu Hause seins”. Ich lief und lief und kam trotzdem nirgendwo an.

Das alles hat sich geändert, seit ich Mutter bin. Ich hatte vorher viel von ihr gehört, von dieser Mutterliebe, die Berge versetzen kann. Ich habe auch daran geglaubt. Aber es ist etwas völlig anderes, wenn man es selbst erfährt.

Ich würde einfach alles für meine Tochter tun. Ganz egal was. Es ist eine sehr selbstlose Form der Liebe. Ich habe oft gehört, dass Mütter gesagt haben, sie könnten sich wegen ihrem Kind nicht mehr selbst verwirklichen, weil sie alle Zeit der Familie widmen.

Ich sehe das ganz und gar nicht so, auch wenn ich das Gefühl nachvollziehen kann. Es ist schon ein zeitaufwendiger Job 🙂 Doch ich sehe das eher als ein miteinander wachsen, voneinander lernen.

Kinder schenken uns ein paar Jahre ihres Lebens und dann sind sie groß, und wir werden uns sehnlichst wünschen, noch einmal neben ihnen im Bett zu liegen und mit ihnen zu knuddeln (das werden sie dann nämlich ziemlich sicher nicht mehr wollen.)

Es ist einfach viel zu schön, um irgend etwas daran als zeitraubend anzusehen.

Der Trotzkopf, der mich momentan oft zornig anschaut, die Arme verschränkt und die Augen zusammengekniffen. Die mit dem schon sehr stark ausgeprägten eigenen Willen, die mir erklärt, nicht zu wollen, was ich will. Das Kind, das stundenlang nicht einschlafen möchte und auch mit 5,5 Jahren noch nachts zu mir ins Bett geschlichen kommt.

Ich liebe sie in jedem Moment. In jedem. Auch wenn ich absolut kaputt und zu Tode genervt bin, weil ich nicht schlafen kann.

Außerdem hat sich meine Beziehung zu mir selbst komplett verändert. Ich weiß jetzt, wozu ich in der Lage bin, was ich schaffen kann. Wie hart ich arbeiten kann. Dass ich planen, strukturieren, mich durchsetzen kann.

Dass ich mich nicht von einer Beziehung zu einem Mann abhängig machen muss. Jahrelang habe ich nämlich nur das getan. Bis ich dann alleine mit meiner Tochter war und gemerkt habe, dass ich das gar nicht brauche – und mir das allein sein sogar gut tat.

Ich merkte plötzlich, dass ich sehr gut alleine sein kann. Lernte, was mir gut tut und gestand mir das auch gerne zu. Trennte mich von Dingen, die mir nicht gut taten. Zum Glück auch von Männern, die die letzten Idioten sind und nur an sich denken. Für so Kerle hatte ich ein echtes Händchen 🙂

Ich habe mich einfach, seit ich alleinerziehend bin, kennen und lieben gelernt, so wie ich bin. Selbst was mich immer an mir gestört hat, habe ich mittlerweile akzeptiert. Ich bin wie ich bin und es ist voll okay so.

Trotz allem konnte ich dem Vater meiner Tochter sehr leicht verzeihen, was gewesen war, und ihm wieder einen Weg in unser Leben eröffnen. Denn er gehört ebenso zu ihr wie ich. Das war immer sonnenklar für mich. Es war eine sehr wichtige Entwicklung und Erkenntnis, dass es irgendwann Zeit ist, zu verzeihen und jemandem, der einem wichtig ist, eine neue Chance zu geben.

Ein dickes Fell ist gut gegen Vorurteile

Außerdem habe ich mir ein dickes Fell zugelegt. Es ist mir nicht mehr wichtig, was Menschen, die uns sowieso nichts weiter bedeuten, von mir halten. Mittlerweile sind mir einfach nur noch die Menschen wichtig, die wir lieben und die uns lieben, die auch in harten Zeiten da waren. Alle anderen? Können bleiben wo sie wollen.

Meine Tochter ist nicht geplant gewesen und doch kam sie genau im richtigen Moment, wie vom Himmel geschickt. Daran glaube ich sogar tatsächlich. Sie ist durch so einen irren Zufall entstanden, dass das schon kein Zufall mehr gewesen sein kann.

Aber mir war sofort klar, seit dem Moment, wo ich den positiven Test in den Händen hielt, dass sie zu mir gehört, dass ich sie nie mehr hergebe. Dass es so sein sollte. Ich bin kein esoterischer Mensch, doch ich bin überzeugt, dass es Engel gibt und ich habe schon eine ziemlich große Armee von Schutzengeln da oben, die sich schon öfters beweisen mussten 🙂 Ich spüre sie einfach und für mich ist das eine Wirklichkeit.

Ich bin absolut mit mir selbst im Reinen. Und das war ich vorher nie. Dafür bin ich so dankbar. Danke, meine Räuberprinzessin. Ich liebe dich und werde immer für dich da sein. Ich liebe deine besonnene Art, deine Klugheit, deinen Charme, deine Schönheit, deine Dickköpfigkeit, deinen Ehrgeiz, deine Art, wie du alle in Sekunden um den Finger wickelst, deinen Wissensdurst, deine Wortschöpfungen, deine Ideen. Einfach wie du bist.

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