Die Wahrheit über positives Denken

Einige “Experten” meinen, positives Denken hieße, mit einem Dauergrinsen durch die Gegend zu laufen und so zu tun, als bestünde das Leben nur aus rosa Zuckerwatte und Einhörnern.

Probleme? Du hast Probleme? Dann hast du bestimmt nicht ausreichend fokussiert (fokussieren = bildlich vorstellen) und an das Gute geglaubt.

Seit Jahren beschäftige ich mich beruflich und privat sehr intensiv mit der positiven Psychologie und dazu gehört es, positiv zu denken.

Immer wieder überrascht es mich, wie viele Leute den Begriff “positives Denken” benutzen, um irreführende Informationen zu verbreiten. Wahrscheinlich, weil positive Psychologie häufig mit positivem Denken gleichgesetzt wird (hier ein toller Artikel über die Unterschiede)

Natürlich geht es dabei meistens ums Geschäft. Häufig sind es nämlich Menschen, die ihr “Expertenwissen” teuer verkaufen. Wenn wir das nächste Buch nach dem Motto “11 Tipps, die dein Leben revolutionieren” in den Händen halten und gespannt beginnen zu lesen, stellen wir fest, dass der Inhalt auf unser Leben nicht umzusetzen ist. Zumindest nicht von heute auf morgen.

Was positives Denken wirklich bedeutet

Viele dieser Tipps sind sehr wertvoll und ich halte eine Menge davon, sich durch Lesen weiterzubilden. Blöd nur, wenn darüber geschwiegen wird, dass wir alle nur Menschen sind.

Wir haben Problemen, Sorgen und Nöte. Und die verschwinden nicht, wenn wir krampfhaft lächelnde Optimisten sind. Sondern wenn wir es schaffen, auch schlechte Zeiten als einen Teil unseres Lebens zu begreifen, sie zu akzeptieren und daran zu glauben, dass nach dem Regen auch wieder die Sonne scheint.

Positives Denken

 Mit einer positiven Grundeinstellung können wir viel erreichen: Wir sind physisch und psychisch gesünder, leben länger und haben mehr Freude am Leben. Wir nehmen die Welt anders wahr und sind geneigt, eher auf die schönen Dinge des Lebens zu schauen.Krisen bewältigen wir schneller, wenn wir den Willen haben, aus ihnen wieder herauszukommen. Und ganz ehrlich, was bringt es, nur zu meckern und alles schwarz zu sehen? Man versaut sich damit nur sein Leben.

Positives Denken missverstanden

Wenn man sich durch die Literatur zum Thema arbeitet, heißt es auf der einen Seite, wir müssen nur stark genug daran glauben, dass ein Problem sich bald in Luft auflösen wird. Oder wenn wir nur stark genug unsere Gedanken fokussieren, können wir aus Wasser Wein machen (Pam Grout, E², Link führt zum Buch). 

Ein weiteres Beispiel ist das Buch “The Secret“: Mit einer riesengroßen Vermarktungsaktion wird hier ein Geheimnis verkauft, das die Welt verändern soll. Die Autorin Rhonda Byrnes berichtet vom “Gesetz der Anziehung”: Wer seine Wünsche nur stark genug fokussiert, bekommt, was immer er möchte. 

Der Trick: Man muss wahrhaft und ehrlich daran glauben, dass man z.B. bald eine Million auf dem Konto hat.   Dann braucht man nichts weiter zu tun außer zu fokussieren, damit dieser Wunsch in Erfüllung geht, denn das Unterbewusstsein und das Universum erledigen das für einen, während man selbst sich zurücklehnen und abwarten kann.

Ganz egal was es ist: Laut diesem Buch können wir alles haben. Ich habe mich beim Lesen gefragt, wie das wohl die Kinder in Afrika oder Syrien sehen. Oder ein todkranker Mensch.

Die Schwarzseher Fraktion

Auf der anderen Seite sind da die ewigen Schwarzseher, die behaupten, positives Denken mache uns krank – (Günther Scheich). Wenn man Bücher wie das von Pam Grout als Grundlage nimmt, kann es bestimmt wirklich unserer Gesundheit schaden. Denn dann kommen wir auf den Gedanken, dass wir permanent versagen und das mit dem positiven Denken einfach nicht hin bekommen. Im schlimmsten Fall kann das depressiv machen.

Was tun, wenn alles negativ erscheint?

Wenn man positives Denken so versteht, als sei das ganze Leben ein Ponyhof, ist es kein Wunder, dass solche Bücher entstehen wie “positives Denken macht krank.” Ich kann diese Kritik verstehen.

Natürlich ist es für keinen Menschen gut, seine negativen Erfahrungen zu verdrängen.Ich bin überzeugt, dass man sich mit positivem Denken unter Druck setzen kann, so nach dem Motto: “Bei dem hat es geklappt und ich schaffe es einfach nicht, positiv zu denken. Bei mir läuft etwas schief!”

positives Denken

 Ich verstehe positives Denken so, dass man seine Erfahrungen ehrlich reflektiert und akzeptiert, wie das Leben gerade ist. Danach erst kann man daran arbeiten.Möglichkeiten, in einer Krise trotzdem nach vorne zu schauen, sind z.B.:

# Winzig kleine Schritte gehen, statt zu verharren. Miniziele setzen, die man wirklich erreichen kann, egal, wie klein sie erscheinen.

# Sich bewusst etwas Gutes tun

# Bei Grübelattacken Ablenkung suchen

# An die frische Luft gehen

# Mit einer lieben Person sprechen, von der man weiß, dass sie einen aufbaut

# Daran glauben, dass es besser wird – vielleicht nicht morgen, aber ganz sicher irgendwann.

# Seine Gedanken aufschreiben, das befreit.

# Achtsam mit sich selbst umgehen. Sich selbst nicht zu viel zumuten.

# Sich liebevoll eine Auszeit einräumen.

Ich habe zur Lösung von Problemen einen bekannten Leitsatz, der mir hilft:

”‘Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Konstantin Nibur

Dieser Spruch verkörpert für mich das positive Denken wie kein anderer. Denn für mich geht es genau darum: Die Dinge anzunehmen und zu akzeptieren, dass man gerade nicht in der Lage ist, sie zu verändern. Wenn man dagegen erkannt hat, dass man sie verändern kann, muss man den Mut aufbringen, eine Veränderung herbeizuführen, was manchmal gar nicht so einfach ist. Und dann gehört eine ganze Menge Weisheit dazu, anzuerkennen, dass man manche Dinge nicht ändern kann. 

Wenn wir erkannt haben, dass wir ein Problem gerade nicht lösen können, ist eine Möglichkeit, es erst einmal nach hinten zu schieben und darauf zu vertrauen, dass das Leben eine Lösung finden wird.

Denn wozu sollten wir unsere Energie mit etwas verschwenden, was wir gerade nicht verändern können? Ich gehe mit solchen Schwierigkeiten folgendermaßen um: Ich schreibe einen kleinen Zettel, auf dem ich das Problem benenne. Dann verwahre ich den Zettel in einer Kiste, die nur für Notizen dieser Art hier steht. Gelegentlich (nicht zu häufig) gucke ich mir die Zettel in der Kiste an und schaue, ob das Problem immer noch nicht lösbar ist. Oft ist das Problem auch dann schon längst gelöst und ich frage mich, warum ich mir solche Gedanken gemacht habe 

positives Denken

Noch ein paar Gedanken und Empfehlungen

Zum Abschluss möchte ich dir ein wirklich gutes Buch zum Thema positives Denken empfehlen (weitere Leseempfehlungen findest du schon bald in meinen Rezensionen):

Die Macht der guten Gefühle: Wie eine positive Haltung Ihr Leben dauerhaft verändert*

Barbara Fredrickson ist eine amerikanische Professorin für Psychologie und forscht seit etlichen Jahren auf dem Gebiet der positiven Psychologie. Sie wurde sogar vom Dalai Lama eingeladen, dem sie von ihren Forschungsergebnissen berichten sollte. 

Sie ist die Entwicklerin der sehr interessanten Broaden and build Theorie. Demnach sind sowohl positive als auch negative Erfahrungen bedeutend für unsere Entwicklung. Positives Denken hilft uns dann dabei, neue Resourcen zu entwickeln. Im Buch beschreibt sie ihre jahrelange Forschung sehr lebendig und gut lesbar. Absolut empfehlenswert!

Bist du ein positiv eingestellter Mensch? Was verstehst du darunter, positiv zu denken? Kannst du gute Literatur zum Thema empfehlen? Hinterlass mir gerne einen Kommentar.

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